Mit Schildkröten auf Du und Du

von Moritz Pommer, 04.01.2016

Meine (Moritz) erste Freiwilligenarbeit in Costa Rica führte mich Anfang Dezember für vier Wochen nach Playa Buena Vista, einem einsamen und wunderschönen Strand in der Nähe von Samara.
Hier sollte ich mich also, fernab von Zivilisation, zusammen mit einem Haufen anderer Freiwilliger aus aller Welt um die kleinen Tierchen kümmern. Begrüßt wurde ich von Daniel, einem Deutschen, der sein Freiwilliges Soziales Jahr an diesem Strand verbringt. Nach der Fahrt im Kanu über den Fluss, der bei Flut mit Gepäck schwer zu durchwaten ist, selbst wenn man erfolgreich den dort lebenden Krokodilen ausweicht, wartete noch ein Fußmarsch von circa 400 Metern auf mich, bis wir das Camp der ASVO (Asociación de Voluntarios para el Servicio en Áreas Protegidas de Costa Rica) erreichten.
Ich reiste nicht mit vielen Erwartungen an und so schreckten mich die rustikalen Umstände nicht ab: Es gibt dort keinen Strom und man muss sich regelmäßig mithilfe einer Pumpe um das Wasser kümmern. Das komplette Camp wurde aus Treibholz gebaut und es gibt keine geschlossenen Räume und nur sehr eingeschränkt Privatsphäre. Das alles störte allerdings keinen dort, denn unter den Freiwilligen herrschte während meiner gesamten Zeit immer ein freundschaftliches Verhältnis, das von dem fehlenden Smartphone-Chatten nur forciert wurde.
Das paradiesische Feeling wurde spätestens dann geweckt, wenn man an den meist menschenleeren Strand ging oder man sich nach einer der drei warmen Mahlzeiten mit der Machete eine Kokosnuss schlug und sie mit anderen teilte.
Nicht zu vergessen die Arbeit mit den Schildkrötenbabys, welche dem paradiesisch-faulem Dasein einen umweltbewussten und sinnvollen Beigeschmack gaben. Denn Tag und Nacht schlüpft der Nachwuchs in der Hatchery – einem Feld das rund um die Uhr von uns Freiwilligen überwacht wurde – und in dem die Schildkrötennester wieder vergraben wurden, die wir Nachts am Strand fanden.
Dort konnten wir die frisch gelegten Nester nicht lassen. Denn wie die meisten Meeresschildkrötenarten sind auch die Tortuga Verde und die Tortuga Baula, welche den Strand Buena Vista’s frequentieren, vom Aussterben bedroht. Die Eier stehen bis heute leider nicht nur bei tierischen Fressfeinden, sondern auch bei Teilen der einheimischen Bevölkerung und vor allem bei Feinschmeckern aus aller Welt, die sich diese importieren lassen, auf der Speisekarte. Um sie vor Plünderung zu bewahren, suchten wir des Nachts frische Nester und gruben sie aus und bei uns im sicheren Camp wieder ein. Der Rest der Aufgabe von uns Frewilligen bestand darin, die Nester in der Hatchery zu beobachten und zu bewachen und schließlich dafür zu sorgen, dass die wenige Minuten alten Kröten das Meer sicher erreichten. Den Rest der Zeit verbrachte ich mit Leuten aus aller Welt, die von 2 Tagen bis 4 Wochen ebenfalls an dem Projekt teilnahmen, lernte sie und Teile neuer Sprachen kennen, genoss die Natur und nahm viele schöne Erinnerungen und neue Erfahrungen mit.

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